goldmädchen

der liebe gewidmet, weil es ohne sie nicht geht

ende

Ich habe viele Ideen, doch ich kann sie nicht mehr umsetzen. Die Zeit der langen Texte ist vorbei. Der Wörterfaden ist abgerissen. Hier ist schon lange nichts mehr Großes passiert, schon lange nicht mehr.

5 Entwürfe warten noch auf mich, sie haben es verdient zu Ende geschrieben zu werden. Danach werde ich alles hier beenden. 5 Mal noch werde ich auf ‚Publizieren‘ klicken. 5 Mal meine Gedanken und Ideen teilen. Entschuldigt, dass ich schon lange keine Kommentare mehr freischalte.

5.

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iloveu,ohyesido

Deine Augen.
Strahlen.
Küssen.
Lachen.
Dein Lächeln -das Schönste der Welt.
Warum bist du  nur so wunderschön?
Atemberaubend.
Frage für die Ewigkeit.
Nähe.
Kitzeln.
Knisternde Luft.
Stummer Schwur.
Ewig an deiner Seite zu sein.
Liebe.
Sehnsucht.
Tage zählen.
Sekunden tropfen so langsam.
Ohne dich.
Sekunden tropfen so schnell.
Mit dir.
Du.
Ich.
Deckel.
Topf.
Du und Ich.
Deckel und Topf.

ich hab getanzt, ich hab geweint

Ich bin wahnsinnig verliebt. So bis über beide Ohren. Zum Mond und zurück! Und es ist so wahnsinnig schön. So schön zu wissen, da ist jemand, der ist einfach da. Einfach so. Der erwartet keine Gegenleistung. Und trotzdem tut es so gut, eine Gegenleistung zu geben, ein Lächeln zu erhalten. Wenn ich jetzt rausgehe, schmeckt die Luft nach Frühling und mein Herz hüpft und jauchzt vor Glück. Doch andererseits gehts mir schlechter als je zuvor. Die Depressionen sind nicht mehr deutlich erkennbar, ich habe manchmal das Gefühl, sie wären immer da, immer bei mir, klein aber da. Und das macht mir ziemlich viel Angst, so viel Angst, dass ich beim Gedanken anfange zu zittern. Das was bis jetzt Halt war, war die Zeit zwischen diesem schrecklichen Ding, dieser Boshaftigkeit. Jetzt soll dieser Halt vorbei sein? Ich sitze hier und kann es nicht fassen, kann mich nicht entscheiden, ob das besser ist als vorher oder ob es eher das Gegenteil bedeutet. Ich weiß nicht wieso. Ich weiß nicht warum. Ich wünsche mir nur einen Ausbruch, einen Neubeginn, fort von HIER. Die Welt anhalten und aussteigen, diese Vorstellung zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht.
Und ich hoffe, es geht dir gut da oben, denn es macht einen Unterschied, ob man an den Himmel glaubt oder nicht. Es macht einen Unterschied, wie sich die Depression zeigt, für mich, für alle in meinem Umfeld.

 
What difference does it make?

So, what difference does it make?
Oh, what difference does it make?
Oh, it makes none
But now you have gone
And your prejudice won’t keep you warm tonight

THE SMITHS – WHAT DIFFERENCE DOES IT MAKE

eigentlich

Ich mein eigentlich habe ich ziemlich Glück. Die Depressionen kommen nur manchmal und immer seltener. Ich weiß es schon vorher, ich fühle es. Aber ich kann nichts dagegen tun. Sie schleicht sich in mein Leben, leise und eigentlich ganz sanft. Ich fühle sie erst nach und nach. Und irgendwann klammert sie sich ganz fest um mich, umhüllt mich, wie ein Mantel. Ich kann nicht sagen, ob sie bösartig ist. Vielleicht weil sie gerade hier ist. Ich kann auch ehrlich gesagt nicht sagen, wann sie wieder geht. Ich weiß, dass sie es tun wird. Aber ich habe mir noch nicht lange eingestanden, krank zu sein. Vielleicht 1 Jahr. Ich bezeichne es nicht gern als Krankheit, denn ein Teil von mir will es immer noch nicht wahr haben. Das ich krank bin. Das ich andauernd in ein tiefes Loch falle. Ein Teil von mir erklärt es immer damit, dass andere Menschen das schließlich auch tun, wenn es ihnen schlecht geht, wenn sie Streit und Stress haben. Aber andere Menschen sitzen nicht andauernd stundenlang heulend auf den Boden. Andere Menschen -dazu gehöre ich nicht. Und es ist nicht nur mein Kopf, den die Depression einwickelt, in Watte verpackt, von all dem Guten abschneidet. Auch mein Körper kann sich nicht entziehen. Er bringt genau das zum Ausdruck, was die Depressionen mit mir anrichten: Er hat keine Energie mehr. Er wehrt sich gegen alles, was eigentlich helfen könnte. Essen. Mein Körper kämpft immer und immer wieder. So wie ich. Ich kämpfe immer und immer wieder. Und letzendlich verliere ich alles dabei. Die Kunst, zu leben. Die Kunst, zu lachen. Die Kunst, einfach mal einen ganzen Tag lang glücklich zu sein. Nicht traurig zu gucken. Nicht über sich selber nachdenken zu müssen. Ich habe das Gefühl, ich verliere mich schleichend. Ich verlier mich in mir. Alles verschwimmt zwischen Traurigkeit und Glück. Es vermischt sich, fühlt sich nicht kaum mehr anders an. Ich habe gelernt zu schwimmen, aber scheinbar treibe ich einfach nur. In der Traurigkeit, in der Sehnsucht, in einer Wolke aus Verlust.

Jede Wolke zieht irgendwann vorbei. Aber sie hinterlässt Spuren. In meinem Kopf, meiner Seele, meinem Herzen, meinem Verstand. Selbst mein Körper ist gezeichnet. Ich trage viele Narben mit mir. Kleine, unscheinbare Narben, Stellen, an denen meine Haut etwas heller ist, einen Hauch von rosa hat. Ich könnte sie zählen. Nicht alle enstammen Hass, nicht alle enstammen meinem oder dem Hass meiner Mutter. Manche stammen auch vom hinfallen, so wie ein kleines Kind hinfällt. Sie sind eine Erinnerung daran, dass ich wieder aufgestanden bin. Meistens ohne Hilfe. Aber ich, ich werde nie wieder ganz aufstehen. Es gibt Narben, die reißen immer wieder auf. Ich werde nie abschließen können, nie die Narben meiner Vergangenheit anschauen können. All diese Narben sind nicht schwer. Nur wenn die Depression da ist, dann denke ich daran, wie jede einzelne von ihnen entstanden ist. Gewalt. Nur bei den Narben, die entstanden sind, weil ich Kind war, lächel ich. Sie sind eine Erinnerung an eine Zeit, in der ich die Kunst noch beherrschte. Die Kunst, Glück zu sammeln. Die Kunst, die Wolke der Traurigkeit einfach wegzupusten.

Irgendwann werde ich so leise gehen, wie meine Depression kommt und geht. Ich werde immer schmaler, unscheinbarer und durchsichtiger werden. Meine Narben werden immer heller werden. Ich werde gehen, irgendwann. Und dabei lächeln. Weil ich weiß, dass ich nicht aufgegeben habe. Dass ich kaputt gegangen bin. Und das ich trotzdem glücklich war. Lasst mich dann gehen, lasst mich laufen. Denn ich kann dann nicht mehr hinfallen, nein, nein, nein…

angst

Ich hab so wahnsinnig große Angst vor der Zukunft. Vor mir selber. Vor dir. Ich bin weggelaufen, ich wollte dich nicht mehr sehen, ich habe mich verkrochen. Und ich würde es am Liebsten wieder tun. Mich verkriechen. Es tut so weh, es tut einfach nur weh, dass du nie Zeit für mich hast. Das du oft sagst, dass ich dir nicht wichtig bin. Weißt du, ich liebe dich. Und ich hasse dich. Es tut so weh, dass du nie da bist, wenn ich dich brauche und wenn ich dich gebraucht habe. Das du mir noch nie gezeigt oder gesagt hast, dass du mich liebst. Das du auch Fehler machst. Das du ein Mensch mit Fehlern bist, ein Mensch, den man lieben kann. Ich will nur, dass du weißt, ich liebe dich immer noch. Du bist so kalt, so eiskalt mir gegenüber. Ich kann den Schmerz nicht beschreiben, der mich durchzuckt, wenn ich an dich denke. Und die Traurigkeit. Und die Sehnsucht. Ich mag nicht an eine Zukunft in deiner Nähe, aber auch nicht in großer Entfernung von dir denken. Ich war und bin immer noch klein und schwach. Ich habe mich nie gewehrt, ich bin immer weggelaufen.
Ich kann mich an einen Streit erinnern, der sich tief eingebrannt hat. Du hast mir an den Kopf geworfen, dass du meinen kleinen Bruder wegen mir abgetrieben hättest. Das ich allein schuld bin. Das ich dich behindere, wo ich nur kann. Wörter wie Missgeburt, Stück Scheiße etc. waren fast schon meine Spitznamen. Und was habe ich getan? Ich habe zurückgeschrien. Habe dir all den aufgestauten Hass ins Gesicht geschrien, ich habe nicht einmal gestoppt, ich habe so laut geschrien, wie ich nur konnte. Und dann? Dann warst du ruhig. Und was habe ich getan? Ich bin weggelaufen. So weit ich konnte. Und ich habe nicht verstanden, was ich da gerade getan habe. Ich habe mich augenblicklich selber für das Gesagte gehasst. Habe dich in Gedanken tausend, ja millionenfach um Verzeihung angefleht. Ich saß allein da, habe geweint, war seelisch so weit unten wie noch nie und ich war 11.
Ein halbes Jahr hast du dann noch gebracht, angefüllt mit Beleidigungen, Sticheleien und Schlägen. Oder auch deine Ignoranz, deine enttäuschten Blicke, wenn es ’nur‘ eine 2 in einer Klausur war -ich war am Ende. Ich wollte dir unbedingt beweisen, dass ich etwas wert bin. Das ich es verdient habe, deine Tochter zu sein. Ich habe es nicht geschafft. Und da du mir immer gesagt hast, dass dein Leben ohne mich ohnehin viel schöner und erfüllter wäre, wollte ich dir auch diesen Gefallen tun. In grenzenloser, unerfüllter Liebe. Ich wollte dich glücklich machen, Mama. Einzig und allein dich glücklich machen.

Ich habe mir nach einem weiteren Streit die Pulsadern durchgeschnitten und bin eingetaucht. In eine graue Welt, die immer mehr verschwommen ist. Ganz langsam. Und ich habe mich gesehnt, weil ich wusste, du würdest stolz auf mich sein. Einmal. Verstehst du? Ich dachte, du wärst einmal stolz auf mich. Ich wollte nicht, dass sie mich zurückholen. Ich habe mich gewehrt. Das Licht hat gebrannt, in meinen Augen, auf meiner Haut, in meinem Kopf. Ich habe keinen Kampf gegen den Tod gewonnen. Ich wollte keinen Kampf und ich wollte ihn schon gar nicht gewinnen. Ich wollte nur gehen. Leise.
Und jetzt sitze ich hier, 3 Jahre später. 3 Jahre Mama. Seit fast einem Jahr wohnen wir nicht mehr zusammen unter einem Dach. Du hast mir so oft gesagt, ich soll gehen. Und ich habe es auch getan, aber auf die richtige Art und Weise. Und nicht nur ich habe geweint. Du auch, Mama. Du liebst mich nämlich, ich glaub, du weißt es einfach nur nicht. Vielleicht war und ist es ein Schock für dich, mich zu vermissen. Einen Teil deines Lebens zu vermissen. Ich vermiss dich auch. Sehr sogar. Ich stell mir vor, dass zwischen uns ein riesen Meer liegt. Ich weiß im Moment wirklich nicht, ob ich mit einem Boot von dir weg oder zu dir hin treibe. Tue ich überhaupt irgendwas? Tust du etwas? Ich habe begriffen, dass ich dich nicht glücklich machen kann. Das musst du selber tun. Ich habe begriffen, dass ich nie eine wirklich liebevolle Mutter haben werde. Ich habe es begriffen. Ich erwarte es nicht mehr. Ich habe keine Erwartungen mehr an dich. Ich liebe dich einfach nur. Ich sitze hier, weinend und ich liebe dich. Und ich habe Angst, wenn ich doch mit dem Boot auf dich zu treiben sollte. Ich habe Angst, wieder vor dir weglaufen zu müssen. Aber ich bleib hier. Ich geh nicht weiter weg. Ich warte einfach hier, mit meinem Kummer, meinem Schmerz und meiner Sehnsucht. Ich warte auf dich. Ein Leben lang, Mama.

Von der ersten bis zur letzten Sekunde
deine Tochter, Mama, deine Tochter.

tiekmasnie (andersrum‘ klingts nich so schlimm)

Hm. Es ist 14:31 Uhr, ich sitze hier und schau‘ raus. An und für sich ganz schön. Ich mein, ich hab meine Ruhe und wirklich kein Arsch wird mich stören. Nichts, das man nicht wegdrücken oder wegklicken könnte. Ich könnte hier einfach sitzen, meinen Kalender für nächstes Jahr vollschreiben, mit netten Leuten was Verrücktes planen, mit irgendjemanden telefonieren, rausgehen, ja ich könnte viel. Aber was mich daran hindert, ist etwas das kaum jemand als Grund nennt. Das. was manche das Fest der Liebe nennen. Weihnachten. Heute ist der 1te Weihnachtstag. Der 25te. Und für mich ist es nur ein Tag wie jeder andere auch. Nur das es mir halt nicht ganz so gut geht. Vorletztes Jahr wäre ich jetzt bei meiner Oma und gleich auf dem Weg zu meinem besten Freund. Letztes Jahr wäre ich schon bei ihm. Aber wisst ihr was? Das geht nicht mehr. Sie sind tot. Beide. Aber so ist es geschehen und niemand kann etwas daran ändern.

In letzter Zeit wollen meine Artikel auch nicht mehr so, wie ich will.
Also wird dieser Blog auf unbestimmte Zeit geschlossen. Vielleicht dann im neuen Jahr ein neuer Start. Ich wünsch euch allen wunderschöne, besinnliche Tage. Lasst es euch gut gehen.

es weihnachtet

Heute ist der 24te. Heiligabend. Und was mache ich gerade? Sitze allein im Haus, im Gammel-Pullover und tu nix. Geschenke sind alle fertig. Und ich fertig mit den Nerven. Weihnachten ist dieses Jahr so wie, ja wie kalter Kaffee. Alles ist gerade so ziemlich wie kalter Kaffee. Alles schon mal da gewesen, alles schon mal passiert. All der Schmerz, die Heulkrämpfe -alles nix neues. Alles schon bekannt, begrüßt, verflucht. Ist es also schon Zeit mit diesem Jahr abzuschließen? Dieses Jahr bin ich unglaublich tief gefallen und dennoch hoch geflogen. Ich habe das bis dato Wichtigste verloren und das Schönste gefunden. Ich viel verloren und Sicherheiten gefunden, die ich nicht erwartet hätte. Ich habe auf enormer Unterstützung gebaut, sozusagen auf Kredit, und gewonnen. Das wars‘ also schon fast mit 2010. Zweitausendundzehn. Was ich hatte? Ein Jahr voller Tränen und voller Liebe. Was ich gelernt habe? Das ich Grenzen brauch, die ich nie hatte. Das ich mein altes Zuhause nicht mehr habe. Das ich eigentlich allein hier stehe und uneigentlich nicht. Das ich auf die Menschen, auf die ich bauen konnte, auch weiterhin bauen kann. Und das selbst Monate ohne Kontakt durch eine einzige SMS wieder gut gemacht werden können. Das nichts über Familie geht und das viele Menschen es als selbstverständlich ansehen, nach Hause kommen zu können.
Ich erinner mich zurück und sehe sein lachendes Gesicht. Ich sehe keine Tränen, sehe keinen Schmerz, ich sehe nur unsere Zeit. Julian, 16.08.2010. Rest in peace.

Und alles was ich tue passiert mit dem Glauben daran, das alles besser wird. Denn aufgeben gibs‘ nich. Weder jetzt noch später. Denn es ist zu früh um aufzugeben und gleichzeitig auch zu spät.
Ich wünsche euch allen ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest.

PS: J., ich liebe dich.

 

 

halb fort

Eigentlich hab ich gerade keine Ahnung, worüber ich schreiben will. Und uneigentlich? Freiheit. Freiheit fordert, Freiheit verlangt viel. Freiheit bekommt man nicht geschenkt. Denn egal, worum es geht, für Freiheit muss man einen Preis zahlen.

Ich bin früher immer ausgebrochen. Ich war immer unerwartet, plötzlich, spontan, nicht zu stoppen. Und irgendwie bin ich es immer noch. Irgendwie bin ich immer noch nicht soweit, um zu sagen: ‚Hier ist mein Zuhaus.‘ Ich war es einmal, ich hab die Luft eingeatmet und gedacht, hierher kommst du immer zurück, auch wenn du morgen gehen wirst. Ich hab die Nacht draußen verbracht und gedacht, ich muss meine Sehnsucht stillen, die riesig sein wird, wenn ich erst gegangen bin. Aber irgendwie war da keine Sehnsucht. Nicht einmal stechend, nicht einmal bohrend. Nicht einmal das. Und anstatt auch nur einmal darüber nachzudenken, habe ich weitergelebt. Und so getan, als ob das überhaupt keine Frage wäre. Als ob mir das nichts bedeuten würde. Ich hab mir gesagt, es gibt kein Zurück. Das war eine Feststellung, eine Mauer, mit der ich mich schützen wollte und alles zurücklassen wollte, was weh tut. Ich habe unbewusst versucht, ein neues Leben zu beginnen. Doch so einfach ist das nicht. Auch wenn man den Ort wechselt, ist man nicht neu. Man versucht sich neu zu erfinden, aber so einfach ist das nicht. Radikal. Ich dachte, es wäre einfach, einen Schlussstrich zu ziehen. Aber wenn man dann wieder an den Ort zurückgehen muss, an dem man sich gesagt hat, das die Sehnsucht riesig sein wird, ist das kein Zuhause mehr. Denn man hat sich verabschiedet. Das ist wie mit kalten Kaffee. Schmeckt zwar noch dem Warmen, ist aber so unglaublich bäh, das man ihn nicht mehr trinken mag. Auch hier ist noch fast alles so wie früher. Nur ich bin anders. Ich sehe anders. Ich betrachte alles, jeden Schritt aus einem andern Blickwinkel. Ich gucke nicht mehr nur von unten, ich schau von fern. Denn ich weiß jetzt, das ich auch ohne dies hier leben kann. Und so sehr es auch weh tut, sich das selber einzugestehen: Manchmal vermiss ich das früher. Dieses einatmen und diese unglaubliche Liebe zu diesem Ort, der mir immer ein Ort der Flucht war. Ich rede von keinem Haus, ich rede von keinem Dach. Doch vielleicht. Zählt das Dach des Himmels und das Haus der Natur auch? Immer wenn ich wie so oft geflüchtet bin, war das ein Ort, der mich beruhigt hat. Weil ich doch immer wieder zurück musste. Und heute, heute weiß ich, das ich nicht mehr zurück muss.

soundtrack eines, meines, diesem lebens

Während ich dies hier schreibe, läuft die Musik so laut, das ich Kopfschmerzen kriege. Und ich werde sie auch nicht leiser machen. Ich will die Stille um mich herum nicht hören, die mich anschreit, das ich allein bin. Im Gegenteil, wenn es gehen würde, würde ich die Musik noch lauter drehen. Bis alles nur noch aus Tönen besteht. Die Welt und Ich. Wenn man mal so drüber nachdenkt, ist das echt verdammte Scheiße. On-Off Beziehung. Mal geliebt, mal gehasst, mal gefürchtet, mal verflucht, mal geküsst, mal gefickt. Und dann wären da noch die Worte. Was ich an Worten liebe? Jeder kann sie benutzen. Aber nicht jeder schafft es sie so zusammenzustellen, das sie eine Melodie ergeben. Musik. Und wenn ich schreibe, dann ist das meine Sehnsucht, die mich treibt, die Sehnsucht, die fordert, etwas Neues zu erschaffen. Etwas, das noch nie jemand berührt hat. Und die Worte sind auch meine Waffe. Gewalt ist einmalig. Gewalt ist brutal. Gewalt ist radikal.

Worte sind nagend, schleichend, zerstörend, fressend, hart, stechend, bohrend. Gewalt ist für die, die nicht wissen, wie man kämpft. Wenn man ein Menschen zugrunde richten will, ihn so tief fallen lassen will, das er nicht wieder aufsteht, muss man ihn selbst dazu bringen, sich zu zerstören. Worte sind wie ein kleiner Virus. Sie nisten sich ein, vermehren sich und zerstören. Gewalt ist schnell. Worte zerstören leise, still. Wenn man das einmal verstanden hat, dann ist das Leben so etwas wie ein lächerlicher Kreislauf. Und soeben hat mein Fick-Dich-Welt Teil diesen Text übernommen. Alle Menschen sind so unglaublich berechenbar, verraten so viel über sich, in jedem Wort, in jeder Bewegung. Und die meisten Menschen wollen etwas mitteilen. Wenn es ihnen gut geht, soll es jeder wissen. Wenn sie verliebt sind, soll die ganze Welt merken, wie berauschend geil es ist. Wenn es ihnen scheiße geht, wollen sie merken, das es Menschen gibt, die sich um sie sorgen.Weil alle Menschen doch so unglaublich gleich sind. Und ich -ich gehör‘ ja auch dazu. Wenn ich verliebt bin, schreib ich Liebesbriefe, obwohl ich es eigentlich keine schreibe. Wenn im Kino alle heulen, heule ich auch, heimlich, still und leise. Und heimlich, still und leise kotze ich mein Essen wieder aus, nur um Stunden später wieder etwas Fettes zu essen. Und manchmal ignoriere ich auch Anrufe und SMS’se von lieben Menschen, die sich Sorgen machen, weil ich gerade keine Lust habe, mir anzuhören, das alles bald wieder besser ist. Und früher hab ich auch gesoffen, um zu vergessen. Früher war ich auch mal high und habe getanzt, als ob es kein Morgen mehr gäbe. Weil ich es mir so sehr gewünscht habe, das jeder Sonnenstrahl am nächsten Morgen weh tat. Das alles bin ich. Das alles zeichnet mein verkorkstes Ich aus. Und eigentlich ist es ganz cool. Ich könnt‘ mir jetzt eine Sonnenbrillen aufsetzen und mit wahnsinnigen Kopfschmerzen und Musik im Ohr durchs‘ Zimmer tanzen. Barfuß durch den Schnee laufen. Aber ich tus‘ nicht. Schließlich bin ich auch manchmal nur ein normaler Mensch, an dem nichts besonders ist.

Ach, vergessen: Ich mag diese scheiß Welt, weil es keine andere gibt, die mir gefällt.

Duhu, ich? Könnten wir mal so wie ich?

Ich mein, es ist ganz nett, auf was Großes zu machen. Auf was Besonderes. Aber ich würd‘ gern so wie früher. Ich weiß, das wir uns mit jeder Pore erinnern. Jeder von uns. Und ich weiß, das ich alle gelöschten Handynummern noch irgendwo auf kleinen Zetteln stehen habe. Kunst und Du. Kunst und Ich. Wieso ist früher nicht jetzt und heute nicht früher? Dann würde ich jetzt aufstehen, nackt, über Klamotten und mindestens über dich stolpern, nackt im Raum stehen, mit dem Gefühl, 10 Wintermäntel anzuhaben, dieses Gefühl, deine Fingerabdrücke auf meiner Haut wären im Dunkeln sichtbar und ich würde zum Fenster gehen, es öffnen, die Luft würde sich unglaublich klar anfühlen und ich würde denken Scheiße, Mädchen. Was für eine Nacht. Und ich würde nicht eine Sekunde bereuen. Wieso auch? Und morgen müsste ich wieder normal sein, mit dem Gefühl, hier nicht hinzugehören. Ich glaube, jeder, der den Kippengeschmack am nächsten Morgen noch nie mit Alkohol runtergespült hat [klingt vielleicht hart, ist aber pervers & gewöhnungsbedürftig] wird unweigerlich zum Normalverbraucher. Jede Sekunde bekomme ich nicht mehr zusammen. Wie ein Puzzle, bei dem das letzte Teil fehlt. Und man weiß, man hat es irgendwo gesehen, irgendwo lag es rum, aber man weiß nicht mehr wo.

Ich könnte in mich gehen, ich könnte Zettel suchen, ich könnte Nummern wählen, aber ich kann mir sicher sein, das ich nie wieder über dich stolpern werde. Es könnte vielleicht so dargestellt sein wie früher, Lichter die dich am nächten Morgen noch durchzucken, warme, abgestandene Luft, aber ohne dich, das ist wie Puzzeln ohne Motiv. Dennoch, in scheiß Nächten taucht man nur ab, wenn man jung ist. Jung, ungekämmt, unverbraucht und mit dem Wissen, das man gut im Bett ist. Also ich, wie wärs?