bodenlos

von goldmaedel

Ich stehe in der Mitte meines Lebens und ich schaue zurück auf ein Leben voller brennendem Durst, Durst nach Liebe, Durst nach Vertrauen, Durst nach Geborgenheit. Es gab nichts, auf das ich mich hätte verlassen können, keine Zuneigung war mir sicher, keine Liebe haltbar, keine Geborgenheit dauerhaft, so dass sie mein Herz erreicht hätte. Ich lebe allein, ich weine allein, ich trinke meinen Kaffee allein, ich decke mich allein zu und ich werde wahrscheinlich auch allein sterben.

Und doch war ich in meinem Leben eigentlich nie oft einsam, sondern immer von Menschen umgeben. In meinem Job bin ich jemand, der ein Team anführt, Teamwork nennt man sowas, zusammenarbeiten. Sagt man, dass der Anführer allein ist? Dann kann ich ein verdammtes Häckchen hinter diese Aussage setzen. Ein scheiß verdammtes Häckchen.

Verliebt war ich schon mal. Mehrmals. Ich habe körperliche Nähe gefühlt und auch seelische. Doch wenn mein Blick kurz zur Seite wanderte, war ich allein.  Auch Sex, Alkohol und Drogen brachten mich dem Gefühl immer näher, brutal nah.

Als Heimkind allein, als Student allein, als Komissar allein, die Tabletten geschluckt, das Glas leer, ab jetzt für immer allein, bodenlos allein, ich und die Alleinseinigkeit.

Diese Kurzgeschichte enstand im Sommer 2010, zu Ende geschrieben in der Nacht vom 04.06 auf den 05.06.2011. 3 sind noch übrig, 3 Entwürfe.

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