halb fort

von goldmaedel

Eigentlich hab ich gerade keine Ahnung, worüber ich schreiben will. Und uneigentlich? Freiheit. Freiheit fordert, Freiheit verlangt viel. Freiheit bekommt man nicht geschenkt. Denn egal, worum es geht, für Freiheit muss man einen Preis zahlen.

Ich bin früher immer ausgebrochen. Ich war immer unerwartet, plötzlich, spontan, nicht zu stoppen. Und irgendwie bin ich es immer noch. Irgendwie bin ich immer noch nicht soweit, um zu sagen: ‚Hier ist mein Zuhaus.‘ Ich war es einmal, ich hab die Luft eingeatmet und gedacht, hierher kommst du immer zurück, auch wenn du morgen gehen wirst. Ich hab die Nacht draußen verbracht und gedacht, ich muss meine Sehnsucht stillen, die riesig sein wird, wenn ich erst gegangen bin. Aber irgendwie war da keine Sehnsucht. Nicht einmal stechend, nicht einmal bohrend. Nicht einmal das. Und anstatt auch nur einmal darüber nachzudenken, habe ich weitergelebt. Und so getan, als ob das überhaupt keine Frage wäre. Als ob mir das nichts bedeuten würde. Ich hab mir gesagt, es gibt kein Zurück. Das war eine Feststellung, eine Mauer, mit der ich mich schützen wollte und alles zurücklassen wollte, was weh tut. Ich habe unbewusst versucht, ein neues Leben zu beginnen. Doch so einfach ist das nicht. Auch wenn man den Ort wechselt, ist man nicht neu. Man versucht sich neu zu erfinden, aber so einfach ist das nicht. Radikal. Ich dachte, es wäre einfach, einen Schlussstrich zu ziehen. Aber wenn man dann wieder an den Ort zurückgehen muss, an dem man sich gesagt hat, das die Sehnsucht riesig sein wird, ist das kein Zuhause mehr. Denn man hat sich verabschiedet. Das ist wie mit kalten Kaffee. Schmeckt zwar noch dem Warmen, ist aber so unglaublich bäh, das man ihn nicht mehr trinken mag. Auch hier ist noch fast alles so wie früher. Nur ich bin anders. Ich sehe anders. Ich betrachte alles, jeden Schritt aus einem andern Blickwinkel. Ich gucke nicht mehr nur von unten, ich schau von fern. Denn ich weiß jetzt, das ich auch ohne dies hier leben kann. Und so sehr es auch weh tut, sich das selber einzugestehen: Manchmal vermiss ich das früher. Dieses einatmen und diese unglaubliche Liebe zu diesem Ort, der mir immer ein Ort der Flucht war. Ich rede von keinem Haus, ich rede von keinem Dach. Doch vielleicht. Zählt das Dach des Himmels und das Haus der Natur auch? Immer wenn ich wie so oft geflüchtet bin, war das ein Ort, der mich beruhigt hat. Weil ich doch immer wieder zurück musste. Und heute, heute weiß ich, das ich nicht mehr zurück muss.

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