soundtrack eines, meines, diesem lebens

von goldmaedel

Während ich dies hier schreibe, läuft die Musik so laut, das ich Kopfschmerzen kriege. Und ich werde sie auch nicht leiser machen. Ich will die Stille um mich herum nicht hören, die mich anschreit, das ich allein bin. Im Gegenteil, wenn es gehen würde, würde ich die Musik noch lauter drehen. Bis alles nur noch aus Tönen besteht. Die Welt und Ich. Wenn man mal so drüber nachdenkt, ist das echt verdammte Scheiße. On-Off Beziehung. Mal geliebt, mal gehasst, mal gefürchtet, mal verflucht, mal geküsst, mal gefickt. Und dann wären da noch die Worte. Was ich an Worten liebe? Jeder kann sie benutzen. Aber nicht jeder schafft es sie so zusammenzustellen, das sie eine Melodie ergeben. Musik. Und wenn ich schreibe, dann ist das meine Sehnsucht, die mich treibt, die Sehnsucht, die fordert, etwas Neues zu erschaffen. Etwas, das noch nie jemand berührt hat. Und die Worte sind auch meine Waffe. Gewalt ist einmalig. Gewalt ist brutal. Gewalt ist radikal.

Worte sind nagend, schleichend, zerstörend, fressend, hart, stechend, bohrend. Gewalt ist für die, die nicht wissen, wie man kämpft. Wenn man ein Menschen zugrunde richten will, ihn so tief fallen lassen will, das er nicht wieder aufsteht, muss man ihn selbst dazu bringen, sich zu zerstören. Worte sind wie ein kleiner Virus. Sie nisten sich ein, vermehren sich und zerstören. Gewalt ist schnell. Worte zerstören leise, still. Wenn man das einmal verstanden hat, dann ist das Leben so etwas wie ein lächerlicher Kreislauf. Und soeben hat mein Fick-Dich-Welt Teil diesen Text übernommen. Alle Menschen sind so unglaublich berechenbar, verraten so viel über sich, in jedem Wort, in jeder Bewegung. Und die meisten Menschen wollen etwas mitteilen. Wenn es ihnen gut geht, soll es jeder wissen. Wenn sie verliebt sind, soll die ganze Welt merken, wie berauschend geil es ist. Wenn es ihnen scheiße geht, wollen sie merken, das es Menschen gibt, die sich um sie sorgen.Weil alle Menschen doch so unglaublich gleich sind. Und ich -ich gehör‘ ja auch dazu. Wenn ich verliebt bin, schreib ich Liebesbriefe, obwohl ich es eigentlich keine schreibe. Wenn im Kino alle heulen, heule ich auch, heimlich, still und leise. Und heimlich, still und leise kotze ich mein Essen wieder aus, nur um Stunden später wieder etwas Fettes zu essen. Und manchmal ignoriere ich auch Anrufe und SMS’se von lieben Menschen, die sich Sorgen machen, weil ich gerade keine Lust habe, mir anzuhören, das alles bald wieder besser ist. Und früher hab ich auch gesoffen, um zu vergessen. Früher war ich auch mal high und habe getanzt, als ob es kein Morgen mehr gäbe. Weil ich es mir so sehr gewünscht habe, das jeder Sonnenstrahl am nächsten Morgen weh tat. Das alles bin ich. Das alles zeichnet mein verkorkstes Ich aus. Und eigentlich ist es ganz cool. Ich könnt‘ mir jetzt eine Sonnenbrillen aufsetzen und mit wahnsinnigen Kopfschmerzen und Musik im Ohr durchs‘ Zimmer tanzen. Barfuß durch den Schnee laufen. Aber ich tus‘ nicht. Schließlich bin ich auch manchmal nur ein normaler Mensch, an dem nichts besonders ist.

Ach, vergessen: Ich mag diese scheiß Welt, weil es keine andere gibt, die mir gefällt.

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