ichwürde …

von goldmaedel

… euchgernevonjemandemerzählen

Ich bin ein rastloser Mensch. Es gab nie ein Zuhause für mich und ich weiß nicht, ob es es je geben wird. Früher hätte ich gesagt, die Welt ist nicht so richtig. Aber ich würde euch gerne von jemanden erzählen. Wenn ihr hören wollt, wenn ihr wissen wollt, wie ich mich fühle, lest weiter. Ansonsten hört weg, klickt weg, entfernt euch von meiner Stimme. Wenn ihr diese Zeilen lesen werdet, werdet ihr mir auf eine Weise nahe sein, obwohl ihr mich noch nie gesehen habt. Ihr kennt mein Lachen, meine Tränen nicht und dennoch, ihr werdet bald das Gefühl haben, sie zu kennen. Wenn nicht, stehen unter diesem Satz nur sinnlos aneinander gereihte Worte.
Es fühlt sich nicht kalt an, dieses Gefühl, die Gewissheit, sich selbst verloren zu haben. Klingt komisch, klingt weit hergeholt, aus einer anderen Welt. Und dennoch, dieses Gefühl ist immer ganz nah bei mir. Wenn ich nicht mehr weiß, wer ich bin, wer bin ich dann? Ich bin immer noch da. Hier bin ich. Ich bestehe aus Erinnerungen. Ich habe mal gelesen, Erinnerungen sind Wärmflaschen fürs‘ Herz. Selten. Die meisten meiner Erinnerungen sind eher kleine Messer, die sich tief in mich hineinbohren, die immer weiterwandern und von denen ich weiß, das sie immer zu mir gehören werden. Ich weiß nicht, wann sie zustechen und wann sie mich verletzen, wann sie meine Mauern aus Papier einreißen. Wißt ihr, ich habe viel geweint in meinem kurzen Leben. Aber es ist gut zu weinen. Wenn man keine Tränen mehr hat, gibt es auch nichts mehr, was noch weggespült werden kann. Das, was dann noch da ist, bleibt für immer. In mir. In ich. Ich. 3 Buchstaben. Wenn ich von mir spreche, beziehe ich mich auf das jetzt. Ich weiß nicht, wer ich morgen bin. Ob ich das alles hier noch einmal so schreiben würde. Ob ich noch einmal so über mich reden würde. Aber gerade das zeichnet mein ich aus. Ich kenne mich nicht. Ich kann nicht sagen, wie ich reagieren werde, was ich sagen werde. Ich bin jemand, den es gar nicht gibt. Der sich aus der Situation zusammensetzt. Prinzipien? Nein. Grenzen? Die Frage nach den Grenzen bringt mich an einen Punkt, an dem ich endlich anfangen will, euch von jemandem zu erzählen. Was ich von mir weiß ist, das ich immer gesagt habe, ich kenne keine Grenzen. Doch es gibt jemanden, der mir gezeigt hat, das es leichter ist, mit Grenzen zu leben. Der mich mein Leben leben lässt und darauf achtet, das ich nicht zu tief falle oder zu hoch fliege. Der mich dazu bringt, einmal nicht an das Verlorene zu denken, sondern zu lachen. Kennt ihr das, aus tiefstem Herzen zu lachen? Wenn man einfach nicht anders kann, wenn man es nicht verhindern könnte und man es vor allem nicht will? Ich weiß nicht, wie ich es ohne ihn bis hierher geschafft habe. Ich weiß so wenig, ich denke, ihr merkt das schon. Aber ich weiß, das er mir unglaublich gut tut. Das in seiner Nähe die Messer kilometerweit entfernt sind. Das ich angekommen bin.
Zuhause? Wer weiß. Ich nicht.

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