Mina, Teil 3

von goldmaedel

27.08.2010, Hamburg. 19:30 Uhr. Freitag

Ich stand fertig angezogen im Flur meiner Wohnung. Doch anstatt hinaus zu gehen und mich mit Joe und Clarissa ins Nachtleben zu stürzen, zögerte ich. In letzter Zeit hatte ich immer mehr das Gefühl, dass mich jemand beobachtete. Ich fühlte mich, als ob jemand jeden meiner Schritte bewacht. Nicht im positiven Sinne. Als ob jemand auf einen Fehler von mir wartet, um ja, um was? Doch ich schüttelte diese Gedanken ab. Mir fiel erst auf, dass ich die Wohnungstür nicht nur zugezogen sondern sogar doppelt verschlossen hatte, als ich aus der Eingangstür trat. Der Himmel war noch leicht orange, der Duft vom Sonnenuntergang lag in der Luft. Langsam färbte sich der Himmel grau. Und wurde immer dunkler. Ich riss mich los und stieg in mein Auto. Joe und Clarissa warteten.

Wo bleibt sie? Ich versuchte mich nicht aufzuregen, es versetzte mir eher einen kleinen Stich, dass Mina schon wieder zu spät kam. Ich habe die Meinung, dass Menschen, die zu einem Treffen nicht pünktlich kommen, es als unwichtig ansehen. Ich frage mich, ob Clarissa es auch so sieht. Aber wahrscheinlich hat sie sich schon daran gewöhnt, schließlich kennt sie sie seit 10 Jahren. Ich werde mich nie daran gewöhnen. Ich sehe sie durch die vielen Menschen hindurch auf uns zukommen. Sie setzt ein strahlendes Lächeln auf. Ich höre ihre Worte schon, bevor sie ihre Lippen verlassen. ‚Entschuldigung Leute, ich konnte mich einfach nicht von diesem wundervollen Sonnenuntergang losreißen.‘ Die Worte kommen zu schnell. Ich habe das Gefühl, dass ihre Augen flackern. Doch wieso? Gestern morgen kam sie frustriert zu mir. Ob es sie immer noch bedrückt, dass sie es nicht kann? Ich habe versucht, ihr einzureden, dass sie vieles besser kann. Warum unbedingt schreiben? ‚Jonathan, ich muss.‘, war ihre Antwort. Es ist selten, das sie mich Jonathan nennt. Sehr selten. Irgendwas stimmt nicht mit ihr in den letzten Wochen. Sie hat sich immer mehr verändert. Langsam frage ich mich, wo die Mina ist, die ich einmal kennengelernt habe.

Sie traf sich mit IHNEN. Ich fragte mich, wieso. Was begeisterte sie an ihm und ihr? Ein Mädchen mit kurzen, schwarzen Haaren und ihr Freund. Joe. Jack sprach den Namen aus, als wäre es eine Krankheit. Manchmal muss man Menschen zu ihrem Glück zwingen. Er lächelte und folgte dem Strom der Menschen. Für heute war seine Aufgabe erledigt, er würde bekommen, was er wollte. Er hat schon immer das bekommen, was er wollte.

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