vermissen ist so einfach

von goldmaedel

Ich könnte jetzt einfach einen seitenlangen Artikel über die Sehnsucht schreiben.  Aber irgendwie ist es doch eh immer nur das Gleiche. Man vermisst jemanden, eine Person oder etwas, eine Sache. Vielleicht auch einen Ort, einen Platz, einen Moment, man sehnt sich in die Vergangenheit, man träumt sich in die Zukunft. Schließlich könnte man sich ohne Sehnsucht keine Ziele setzen. Ohne Sehnsucht kein Wille. Aber andererseits: Wer sich zu sehr in die Vergangenheit wünscht, verliert den Willen, in der Zukunft zu leben.

Wenn ich die Leute schon sagen höre: ‚Kinder, euer ganzes Leben liegt noch vor euch‘, denke ich mir auch, das selbst das ein Teil Sehnsucht ist. Ein Teil Wunschtraum, auch wenn die Menschen es als selbstverständlich ansehen, dass ihnen noch Jahre bleiben. Alte Leute haben ein anderes Verständnis für die Zeit. Für sie ist jede Sekunde, die sie ohne Schmerzen verbringen, eine glückliche Sekunde. Den meisten Menschen ist überhaupt nicht bewusst, wie wertvoll die Zeit, einige Sekunden, 2 Minuten, 5 Stunde, 10 Tage .. sind. Was für ein Geschenk ein Tag voller Sonne ist. Und auch ein Tag, an dem überhaupt nichts gut läuft. An dem überhaupt nichts gut sein soll. Doch wenn man es sich einmal überlegt, hat auch dieser Tag sein Gutes: Wenn es nur gute Tage geben würde, wie wäre das Leben dann? Was würde man dann noch erwarten wollen? Wenn du ewig lebst, wofür lebst du dann? Wenn du weißt, das du nicht stirbst, schlägt dein Herz dann noch schneller, wenn du eine hohe Bergwand erklimmst? Ich möchte nicht ewig leben. Ich bitte Gott darum, das ich mir immer wieder bewusst werden kann, was ich habe. Das ich glücklich darüber sein kann, das ich genug zu essen, eine medizinische Versorgung und die große Chance auf ein Leben habe. Das ich nie auf den Gedanken komme, ich wäre besser als Andere, denen es nicht so geht.

Am Anfang wollte ich etwas über die Sehnsucht schreiben. Über die Sehnsucht, die mich begleitet. Täglich. Egal, ob es die Vergangenheit oder die Zukunft ist, jeder Mensch sehnt sich nach etwas. Ich behaupte das jetzt einfach mal. Jeder.
Die Entfernung spielt in vielen Köpfen eine Rolle. Aber Nähe hat nichts mit Entfernung zu tun. Man kann jemanden auch nahe sein, wenn er 1600 km weit entfernt ist. Nähe. Was ist das eigentlich? Ist man jemanden nah, wenn man stundenlang mit ihm telefoniert? Wenn man alles über ihn weiß? Wenn man jeden Zentimeter seines Körpers kennt?
Wenn man an ihn denkt, in jeder Sekunde, bei allem was man tut, wenn man weiß, das derjenige da ist, wenn man ihn braucht und wenn man von sich das Gegenteil sagen kann. Wenn man jemanden aus tiefstem Herzen liebt. Das ist für mich Nähe.

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